Bau einer mittelalterlichen Truhe

Jeder, der auch an mittelalterlichen Lagern teilnimmt, wird irgendwann vor der Frage stehen: „Wohin mit meinen wichtigen Unterlagen oder dem Geld, wenn ich durchs Lager streifen möchte ?“ Man kann ja nicht alles mit sich herum schleppen. Da gibt es eine einfache Lösung:

Eine Truhe muß her, die auch optisch in die Zeit passt.

Und wie man diese baut, werde ich nun beschreiben...

Truhenmaße:     Länge: 800mm

                           Breite: 500 mm

                           Höhe: 500 mm

Materialliste:

  • 5 Stück á 500 mm x 800 mm Kiefernholzbretter aus dem Baumarkt
  • 2 Stück Vierkantleisten 10x10 mm ( Kiefer )
  • Holzleim ( Ponal wasserfest )
  • 2 Schaniere aus der Eisenwarenabteilung 210 mm Länge
  • eine Überfalle , ca . 210 mm auch aus der Eisenwarenabteilung
  • 2x Lederriemen ca. 700 mm Länge und 30 mm Breite
  • je nach Wunsch 30 – 36 Hufnägel oder Schmiedenägel mit vierkantigem Kopf

Zuerst nimmt man sich zwei Bretter für die Vorder- und Rückseite. Die Bretter können erst einmal in der Originalgrösse belassen werden. Beide Bretter werden flach auf den Boden oder die Werkbank gelegt und mit Bleistift die Innenseiten markiert (wichtig, um später die Verbindungen der Seitenteile richtig anzubringen). Dann nimmt man sich das dritte Brett und sägt es mit einer Stichsäge oder Kreissäge so durch, daß man zwei Bretter mit den Maßen 400 x 500 mm erhält. Dieses werden die Seitenteile. Nun legt man das vordere Brett (Front) so vor sich, dass die Innenseite nach oben schaut. Mit dem ersten Seitenteil wird nun am rechten und linken Innenrand die Stärke des Holzes mit einem Stift markiert. Nun zeichnet man drei Zapfen auf das Frontbrett und sägt die Zwischenstücke aus. (Bild 1)

    

Dies Zapfen werden nun, von der Aussenseite her, um 45 Grad nach innen abgeschrägt. Wichtig !!!!! Je sauberer hier gearbeitet wird, umso besser hält die Truhe. Nachdem die Zapfen ausgearbeitet sind, wird das gleiche auf dem Brett für die Rückseite wiederholt. Bitte beachtet, dass auch hier die Zapfen zur Innenseite hin abgeschrägt werden müssen (Markierung beachten).

Nun stellt man das Brett der Vorderseite mit den Zapfen so auf das erste Seitenteil, daß sich die Zapfen in einer Linie mit den Kanten des Seitenteils befinden. Die kurze Kante der Zapfen muß mit der Aussenkante des Seitenteils (500 mm Länge) bündig sein. Dann werden die Kanten der Zapfen genauestens auf die Kante des Seitenteils gezeichnet. ( Bild 2 ) Diese gezeichneten Zapfen werden nun ausgesägt. Auch hier gilt, je genauer umso besser hält die Truhe. Wenn millimetergenau gearbeitet wird, hält die Truhe sogar ohne Leim. Das gleiche wird dann auf dem anderen Seitenteil wiederholt.(Tipp: Wenn die Zapfen auf einer Seite angezeichnet wurden, die Ecken am Seitenteil und der Frontplatte nummerieren, dann stimmt der Zapfen immer mit dem ausgesägten Loch überein.)

Diese Prozedur auch mit der Rückwand wiederholen. Nun solltet ihr zwei große Platten mit Zapfen und zwei kleine Platten mit ausgesägten trapezförmigen Löchern besitzen. Diese Bretter werden nun zusammengeleimt und  in den Ecken rechtwinklig zueinander ausgerichtet. Wenn alles getrocknet ist, beginnen Sie mit dem Boden.

Jetzt wird das vierte Brett (800 x 500 mm) auf die Erde gelegt und der Rahmen auf das Brett aufgesetzt. Die Außenkanten des Rahmens sollten mit dem untenliegenden Brett überein stimmen. Nun werden die Innenkanten des Rahmens auf dem Bodenbrett aufgezeichnet und ausgesägt.

Jetzt kommt der Augenblick, wo ihr euch überlegen müsst, wie tief die Truhe werden soll. (Ich wähle meistens eine Tiefe von 400 mm, denn da passt eine Menge rein und wenn die Truhe im Zelt steht, kann unten der Wind drunter herziehen und die Feuchtigkeit kommt nicht so schnell an die Truhe.)

Nun zeichnet ihr an allen vier Seiten des Rahmens, auf der Innenseite Markierungen an: 400 mm von der OBERKANTE des Rahmens entfernt. Unterhalb dieser Markierungen bringt ihr Stücke der Vierkantleisten an. Darauf ruht dann der Boden der Truhe. Nun könnt ihr zur Verstärkung den Boden noch nageln, indem ihr von aussen, 100 mm + eine halbe  Brettstärke oberhalb der Unterkante des Rahmens Nägel einschlagt. Drei bis vier Nägel pro Seite reichen aus. Nun ist der Korpus fertig.

Als nächstes kommt der Deckel an die Reihe. Auch hier sollte das übrig gebliebene Brett mit dem Korpusumfang übereinstimmen. Nun legt man den Deckel auf den Korpus und markiert die Positionen der Scharniere. Bohrlöcher anzeichnen und mit einem kleinen Durchmesser 3-4 mm vor bohren. Anschließend die Scharniere mit den Nägeln befestigen und auf der Innenseite umschlagen. Man kann alternativ auch Schloßschrauben verwenden.


Nun wird die Überfalle angebracht. ( Bild 3 ). Auch hier vorbohren, mit den Nägeln befestigen und diese Innen wieder umschlagen. Als nächstes befestigt ihr innen auf jeder Seite ein Stück Lederriemen, damit der Deckel nicht immer hinten rüberschlagen kann.

Jetzt kann man noch die Kanten der Truhe und des Deckels mit einer Holzfeile brechen. Dann ist sie nicht so scharfkantig und läßt sich besser tragen. Alternativ könnt ihr auch noch rechts und links Griffe anbringen oder ihr bohrt je zwei Löcher und zieht ein Hanfseil durch, welches ihr auf der Innenseite verknotet.

Nachdem die Truhe im Rohbau fertig ist, können Verzierungen angebracht werden. Das können Ornamente, Ziernägel, Brandings oder dergleichen sein. Außerdem kann man an den unteren Kanten kleine Stücke des Holzes wegschneiden, damit die Truhe Füße bekommt. ( Siehe Bild ) Das ist bei unebenem Gelände echt von Vorteil. Außerdem staut sich die Feuchtigkeit nicht so unter der Truhe.

Wer es besonders ausgefallen haben möchte, kann ja sein Wappen eingrafieren oder wie hier als Relief ausschneiden und mit einer anderen Holzplatte hinterlegen. ( Hier sieht man das Wappentier vom ritterlichen Geschlecht derer von Schwaneney, DER SCHWARZE SCHWAN ).

Als Abschluss habe ich die Truhe noch mit einem Abflämmgerät zur Unkrautvernichtung abgeflämmt und mit Holzwachs nachbehandelt. Dieses dient als Schutz vor Feuchtigkeit und Verunreinigungen.

Ich hoffe, mit diesem Bericht einigen Mittelalterbegeisterten Anreize gegeben zu haben, sich selbst mal Möbel mit einfachen Mitteln zu bauen, welche sich ruhig auf jedem Lager sehen lassen können. Kaufen kann jeder und es muß auch nicht immer perfekt sein. Gerade das nicht Perfekte macht doch den Reiz des Altertümlichen aus. Sollte sich in diesem Bericht der Fehlerteufel eingeschlichen haben, so bitte ich vielmals um Vergebung, da ich besser mit dem Werkzeug denn als mit der Feder umgehen kann.

Für die unter Euch, welche nicht über eine prallgefüllte Geldkatze verfügen: Die Truhe hat ca. 60 ¤ Materialkosten (inkl. Beschläge) verschlungen und man benötigt ca. 2 Tage (inkl. Trocknungszeit) für die Herstellung. Solltet Ihr Fragen haben, so könnt Ihr mich über unsere Kontaktadresse jederzeit erreichen. Nun bleibt mir nur noch zu sagen:  „ Viel Erfolg beim Bau eurer eigenen Möbel“

                                 Siegfried vom Drachenfels




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